Neujahrsmorgen
Der Morgen kommt langsam. Zu langsam vielleicht. Das Licht ist blass, fast vorsichtig, als wüsste es, dass die Nacht noch in den Knochen steckt. Draußen liegt eine ungewohnte Ruhe über allem, als hätte die Welt selbst kurz angehalten, um auszuschlafen.
Die Party klingt noch nach. Nicht laut, eher wie ein Echo , Fragmente von Lachen, Musik, Gesprächen, die irgendwann ineinander verschwommen sind. Gläser stehen noch dort, wo sie gestern abgestellt wurden, Jacken liegen achtlos über Stuhllehnen. Spuren einer Nacht, die keine Ordnung kannte und auch keine wollte.
Ich setze mich, halte die Tasse mit beiden Händen. Der Kaffee schmeckt stärker als sonst, ehrlicher. Der Kopf ist noch schwer, der Körper träge, aber irgendwo darunter liegt dieses leise Gefühl von Neubeginn. Nicht euphorisch, nicht groß. Eher still, fast unscheinbar.
Der Neujahrsmorgen nach einer langen Nacht hat etwas Entwaffnendes. Keine Vorsätze drängen sich auf, keine großen Gedanken. Nur das Hiersein. Das langsame Zurückkommen in den Körper, in den Raum, in den Tag.
Vielleicht beginnt das neue Jahr genau so, wie es sein sollte: ohne Pathos, ohne Druck. Mit Müdigkeit, ein wenig Chaos – und der leisen Ahnung, dass alles noch offen ist.
